Ein Plädoyer für Regeln im Homeoffice

Gastbeitrag von Laura Trus über Regeln im Homeoffice: Begibt man sich in die Selbstständigkeit, stellt sich als eine der großen Fragen erst einmal, wo man denn eigentlich arbeiten wird. Mietet man sich irgendwo einen Schreibtisch oder arbeitet man zu Hause? „Mensch, zu Hause arbeiten, da braucht es aber eine Menge Disziplin“, wirst Du vielleicht sagen. Aber so viel Disziplin auch wieder nicht, nur ein paar Regeln. Dazu hat meine Gast-Autorin Laura einen feinen Beitrag geschrieben, der nun folgt. Sie arbeitet als freiberufliche Online-Redakteurin und Social Media Managerin. Hauptsächlich in den Bereichen Nachhaltigkeit, Ernährung und Do It Yourself. Schaue doch mal auf Ihrer Seite vorbei, es lohnt sich.

Nun aber das Wort an Laura 🙂

Laura TrusLaura: Ich liebe es, im Homeoffice zu arbeiten. Und manchmal hasse ich es. Denn die Freiheiten machen unproduktiv und faul. Damit die Arbeit im Homeoffice mehr Segen als Fluch ist, habe ich ein paar Regeln aufgestellt.

Auf dem Sofa zum Erfolg?

Morgens am Küchentisch Mails checken, spätabends auf dem Sofa Artikel verfassen – das Homeoffice bietet für kreative Freigeister paradiesische Möglichkeiten. Die Schattenseiten? Kein Austausch mit Gleichgesinnten, kein Schnack in der Kaffeeküche, keine Kontrolle von außen. Zu Hause werden wir leicht nachlässig. Die Motivation geht lieber einen Tee trinken und der Haushalt lenkt von den eigentlichen To Dos ab.

Die Wäsche muss unbedingt noch weggeräumt werden, sonst kann man partout nicht loslegen. Und es sind schon wieder 12 Facebook-Benachrichtigungen eingetrudelt. Produktiv klingt das nicht. Im Homeoffice habe ich gelernt, dass ich Regeln brauche, die mich vor Faulheit, Ablenkung und FOMO (englisch für „fear of missing out“) beschützen. Selbstorganisation ist für mich unerlässlich, um Ziele zu erreichen.

Du fragst dich jetzt wahrscheinlich: Regeln? Im Homeoffice? Ist man nicht freiberuflich unterwegs, um aus starren Mustern zu entkommen? Das stimmt. Selbst auferlegte Regeln empfinde ich jedoch nicht als einschränkend. Routinen und Regeln, die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind, motivieren und fördern Produktivität. Sie helfen außerdem, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Dabei geht es mir nicht um minutiös durchgeplante Routinen, die jegliche Kreativität ersticken. Ich meine grob abgesteckte Grenzen, die unsere Energie fokussieren, um die Arbeitszeit nicht im Internet zu vertrödeln. Wichtig dabei: Ich kann die Regeln immer wieder anpassen und aus ihnen ausbrechen.

Die eigenen Bedürfnisse kennen lernen…

Während der ersten Tage als Freiberuflerin beobachtete ich mich selbst: Wann startet mein Arbeitstag? Wie lange brauche ich für wiederkehrende Aufgaben? Zu welcher Tageszeit bin ich produktiv? Warum bin ich abgelenkt? So konnte ich meine Bedürfnisse analysieren und erforschen, wie mein optimaler Arbeitstag aussieht. Nach einem Jahr im Homeoffice habe ich Routinen entwickelt, die für meine Motivation und Konzentration wichtig sind. Vier davon stelle ich im Folgenden vor. Vielleicht helfen sie auch Dir bei der Arbeitsorganisation, wenn Du etwas im Homeoffice machst.

Vier Regeln, die mir die Arbeit im Homeoffice erleichtern

1. Pausen im Voraus festlegen

Zum Start meiner Selbstständigkeit arbeitete ich oft mehrere Stunden durch, bis ich merkte, wie schnell meine Energiereserven aufgebraucht waren. Genug Pausen und viel Bewegung helfen uns, neue Kraft zu tanken. Mittlerweile haben sich feste Pausen-Zeiten eingependelt: Bevor ich mich überhaupt ins Büro begebe, mache ich morgens einen kleinen Spaziergang, um wach zu werden. Die Mittagspause dauert mindestens eine Stunde. Auch hier gehe ich gerne raus und verabrede mich mit Kollegen. Zum Feierabend gibt es dann noch mal eine Runde Frischluft. Und zwischendurch arbeite ich mit Zeitblöcken: Nach 50 Minuten konzentriertem Arbeiten mache ich 10 Minuten Pause.

2. Kein Meeting in Jogginghose

Bestimmt hast Du das Vorurteil, als Freelancer würde man den ganzen Tag im Schlafanzug arbeiten, auch schon gehört. Das kommt bei mir nicht infrage. Ich würde jeden Tag die Arbeit mit ins Bett nehmen. Abschalten wäre mir nie möglich. Wir haben alle eine Routine zum Einschlafen – umziehen und Zähne putzen. Wieso nicht auch eine für den Start des Arbeitstags? Darum kleide ich mich jeden Morgen so, als würde ich ins Büro fahren. Ich ziehe das komplette Programm durch. Das hilft nicht nur bei der Abgrenzung, sondern fühlt sich auch professioneller an. Es versetzt mich in einen produktiven Arbeitsmodus. Denn der Kopf weiß nach dem Anziehen: Jetzt geht’s los.

3. Abwechslung muss sein

Fürs Schreiben brauche ich absolute Ruhe und möglichst wenig Ablenkung durch äußere Eindrücke. Damit das Homeoffice nicht zur einsamen Insel gedeiht, entfliehe ich regelmäßig meiner Wohnung (und ihren Verlockungen namens Kühlschrank und Sofa). Ich arbeite in Cafés, Bibliotheken oder Coworking-Spaces. Dort kann ich mich nicht nur mit anderen Freelancern austauschen. Ich steigere auch bei den eher ungeliebten administrativen Aufgaben meine Produktivität. Ich kann mich selbst nicht mit vermeintlich wichtigem Haushaltskram ablenken.

Apropos Ablenkung:

4. Das Smartphone bleibt draußen

Gruppenchats, News-Apps, Instagram oder bloß die Wetter-App: Wenn das Smartphone in meinem Blickfeld liegt, entsperre ich den Bildschirm alle paar Minuten. Der Impuls, alle Kanäle zu checken, ist ständig da. Selbst wenn ich das Gerät auf lautlos schalte. So habe ich kaum eine Chance, in einen Arbeitsflow zu finden und durchdachte Artikel zu produzieren. Daher gilt an Arbeitstagen: Wenn ich schreibe, darf das Smartphone nicht mit ins Homeoffice. Und es darf noch weiter gehen. Im nächsten Schritt möchte ich nämlich das Überprüfen von Nachrichtenseiten und Social Media-Kanälen auf zwei Mal pro Tag begrenzen. Daran arbeite ich aber noch…

Vielen Dank für Deinen Beitrag, Laura.

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Artikelbild: rawpixel.com // unsplash.com